Unsere Wege nach Deutschland

Persönliche Erfahrungen tunesischer Fachkräfte, Studierender und Auszubildender
Unsere Wege nach Deutschland waren ganz unterschiedlich. Einige von uns kamen zum Studium, andere mit einem konkreten beruflichen Ziel oder bereits mit Berufserfahrung. Manche hatten schon Kontakte nach Deutschland, andere mussten sich zunächst selbst informieren und ihren Weg Schritt für Schritt herausfinden. Was uns verbindet, ist der Wunsch nach beruflicher Weiterentwicklung, neuen Perspektiven und der Möglichkeit, unsere Fähigkeiten einzubringen und weiterzuentwickeln.

Wer wir sind – Berufe und Branchen

Unsere Hintergründe sind vielfältig. Die Rückmeldungen zeigen unter anderem Wege in die Bereiche Ingenieurwesen und Elektrotechnik, Automotive und Fahrzeugtechnik, industrielle Instandhaltung, Elektronik, Medizin und Pflege sowie Recht, Menschenrechte und Governance. Einige befinden sich noch im Studium oder beginnen gerade eine Ausbildung, andere arbeiten bereits in ihrem Beruf.

Fachrichtung / Beruf Weg / aktueller Stand Branche / Schwerpunkt
Elektromechanik / Elektrotechnik / Automation Studium, Projekte und Industrieerfahrung; berufliche Perspektive in Deutschland Industrie, Automatisierung, Produktion, Automotive
Industriemechanik / industrielle Instandhaltung Berufsausbildung mit Praktika und praktischer Erfahrung Industrie, Maschinen und technische Anlagen
Fahrzeugtechnik / Automotive Bachelorstudium in Deutschland; Berufsziel Automotive Automobilindustrie
Elektronik Technisches Abitur, praktische Erfahrung als Elektrikerhelfer; Studium in Deutschland Elektrotechnik / technische Berufe
Medizin Medizinstudium in Sfax; Weg über Sprach- und Fachprüfungen zur beruflichen Anerkennung Gesundheitswesen / Medizin
Pflege Ausbildungsbeginn zum Pflegefachmann in Deutschland Ambulante Pflege / Gesundheitswesen
Recht / Menschenrechte / Governance Bachelor Privatrecht und Master demokratische Governance und Menschenrechte Recht, Menschenrechte, gesellschaftliche Teilhabe

Die Übersicht bildet nur die Fachrichtungen ab, die in den vorliegenden Rückmeldungen konkret genannt werden. Nicht jede Person befindet sich bereits in einer Tätigkeit, die ihrer Ausbildung entspricht.

Der Anfang war nicht immer einfach

Der Start in Deutschland war für viele von uns mit Herausforderungen verbunden. Eine neue Sprache zu lernen, sich in einem anderen System zurechtzufinden und die vielen organisatorischen und bürokratischen Schritte zu bewältigen, braucht Zeit und Geduld. Besonders die deutsche Sprache wurde mehrfach als eine der größten Herausforderungen beschrieben. Auch Visum, Anerkennung von Abschlüssen und Behördengänge gehörten für einige zu den ersten Hürden. Rückblickend würden einige von uns früher mit der Vorbereitung beginnen – insbesondere mit der Sprache und der Auseinandersetzung mit den beruflichen Anforderungen in Deutschland.

Der erste Job – und der Weg dorthin

Nicht für alle von uns verlief der Berufseinstieg direkt und geradlinig. Einige konnten ihre Qualifikationen anerkennen lassen und in ihrem Fachbereich weitergehen. Andere mussten länger nach einer passenden Stelle suchen oder zunächst Tätigkeiten annehmen, die nicht ihrem Qualifikationsniveau entsprachen. Gerade für Studierende zeigt sich, dass der Übergang von Ausbildung und Studium in die passende berufliche Tätigkeit Zeit brauchen kann.

Was wir mitbringen

Unsere beruflichen und akademischen Hintergründe sind unterschiedlich. Was viele von uns verbindet, ist eine gute fachliche Grundlage, Lernbereitschaft und die Bereitschaft, sich auf neue Arbeitsweisen einzulassen. Gerade aus technischen und ingenieurwissenschaftlichen Bereichen werden theoretische Kenntnisse, praktische Erfahrungen aus Projekten und Praktika sowie analytische und lösungsorientierte Fähigkeiten beschrieben.

Ankommen bedeutet mehr als einen Arbeitsplatz zu finden

Für uns bedeutet Integration nicht nur, einen Arbeitsplatz zu haben. Auch Wohnungssuche, Alltag, soziale Kontakte und das Verständnis für die deutsche Arbeits- und Lebensweise gehören dazu. Persönliche Kontakte, Familie, Freunde, ehemalige Studierende, Arbeitgeber und Unterstützungsangebote haben einigen von uns den Weg erleichtert. Auch die tunesische Community kann beim Erfahrungsaustausch und bei Alltagsfragen eine wichtige Unterstützung sein.

Was uns geholfen hätte

Wenn wir heute zurückblicken, würden wir uns an manchen Stellen mehr Orientierung und Begleitung wünschen. Besonders hilfreich wären verständliche Informationen zu Sprache, Anerkennung, Jobsuche, Behörden und dem deutschen Arbeitsalltag bereits vor der Ankunft gewesen. Gleichzeitig haben viele von uns gelernt, dass Eigeninitiative, Geduld und die Bereitschaft, Neues zu lernen, wichtig sind.

Unsere Erfahrungen zeigen

Unsere Geschichten sind unterschiedlich. Es gab leichte und schwierige Phasen, Umwege und neue Chancen. Aber hinter jedem Weg stehen persönliche Entscheidung, Mut und die Bereitschaft, sich auf etwas Neues einzulassen. Wir bringen unsere Erfahrungen, Qualifikationen und Perspektiven mit und möchten diese in Deutschland einbringen und weiterentwickeln. Ein erfolgreicher beruflicher Weg entsteht dabei nicht allein durch die Fachkraft: Unternehmen, Behörden, Beratungsstellen und das persönliche Umfeld können einen wichtigen Beitrag leisten.

Echte Stimmen aus den Rückmeldungen

„Die Sprache war eine große Herausforderung und hat viel Zeit und Energie gekostet.“

„Mehr Unterstützung bei der Sprache, bei der Orientierung im Alltag und bei der Jobsuche hätte mir sehr geholfen.“

„Tunesische Fachkräfte sind motiviert, lernbereit, engagiert und möchten sich langfristig integrieren.“

„Deutsche Unternehmen sollten wissen, dass tunesische Fachkräfte ein sehr gutes Bildungsniveau haben und sehr motiviert sowie ausdauernd sind.“

Frau Kouloud Smida

  • Engineering Degree – Electrical, Electrotechnical & Mechanical, Tunesien
  • Engineering, University of Carthage (2019)
  • 32 Jahre
  • Einreise D. 2026

Eingereist zu Besuch, um Deutschland kennenzulernen. Außerdem wollte ich internationale Erfahrungen sammeln und neue Arbeitsmethoden kennenlernen, insbesondere in den Bereichen Industrie und Technologie. Deutschland bot mir eine gute Möglichkeit, diese Ziele zu erreichen.
Es gibt mehrere Unterschiede zwischen dem Ausbildungs- und Bildungssystem sowie dem Arbeitsmarkt in Deutschland und Tunesien. In Deutschland ist die Ausbildung praxisorientierter und stärker mit dem Arbeitsmarkt verbunden. Dabei liegt bereits früh ein großer Schwerpunkt auf praktischen Erfahrungen in Unternehmen. Außerdem gibt es ein höheres Maß an Organisation, Genauigkeit und Einhaltung beruflicher Standards sowie klar definierte Aufgaben und Verantwortlichkeiten. In Tunesien ist die Ausbildung teilweise theoretischer ausgerichtet, mit weniger Möglichkeiten, frühzeitig praktische Erfahrungen in industriellen Arbeitsumgebungen zu sammeln

Herr Bechir Ben Salah

  • Medizin studiert in Tunesien – Deutsche Approbationsurkunde – am 14.09.2025
  • Einreise 2020, div. Praktika danach 2023 Fachsprachprüfung , Stelle als Arzt

Als ich Medizinstudent in Tunesien war, war ich von der modernen Medizin und Technologie in Deutschland fasziniert. Deshalb habe ich beschlossen, diese Erfahrungen kennenzulernen
Eine Herausforderung waren die Zweisprachigkeit sowie die Wartezeiten für die Prüfungen in medizinischer Fachsprache und im medizinischen Fachwissen.
Die größten Herausforderungen in Deutschland waren die fließenden Deutschkenntnisse, das Verständnis für die Professionalität meiner deutschen Kollegen in der Gruppenarbeit sowie die Einhaltung der Pünktlichkeit.
Kollegen in Deutschland sind pünktlicher, aber die Integration ist nicht einfach und wird erst praktikabel, wenn man über ausreichende Deutschkenntnisse verfügt
Die Gemeinschaft spielt eine entscheidende Rolle bei der Integration, und es ist wichtig, eine klare Vorstellung von der Integration in den deutschen Markt zu haben.
Im Vergleich zum tunesischen System ist das deutsche System während der Ausbildung praxisorientierter; die Herausforderung liegt jedoch eher in der Integration in den Arbeitsmarkt. Das tunesische System hingegen ist theoretischer, und die Arbeitsstandards in Tunesien entsprechen den französischen Standards.
Wenn ich mehr Informationen über das Anerkennungsverfahren erhalten hätte, hätte ich mehr Zeit in die Integration investiert.
Ich rate tunesischen Fachkräften, die nach Deutschland einwandern möchten, sich gründlich über die Anerkennungsverfahren zu informieren und natürlich so viel Deutsch wie möglich zu lernen.

Texte mit Unterstützung von KI erstellt